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Doggerland

Doggerland

Doggerland - Zu Fuß nach Großbritannien

Die Eiszeit war vorüber, das Land füllte sich mit Tieren und mit Wäldern. Mammuts und Auerochsen teilten sich den Lebensraum mit den frühen Menschen. Es gilt als das Paradies der Steinzeit: Doggerland. Doggerland befand sich östlich von den Britischen Inseln und westlich von Dänemark und den Niederlanden. Dadurch bildete es eine zusammenhängende Landmasse zwischen England und dem europäischen Kontinent. Doch heute ist dort, wo das Steinzeitleben florierte, die Nordsee. Doggerland wurde vor 8200 Jahren erst allmählich, dann plötzlich vom Meer verschluckt.

Die Entdeckung von Doggerland

Die Idee, dass sich zwischen England und Kontinentaleuropa einst eine Landmasse befunden habe sollte, war nicht neu. Bei schweren Springtiden tauchten an Englands Küsten immer wieder alte Baumstümpfe auf. In Großbritannien nannte man die versunkene Überreste der Bäume „Noahs Wälder“. Auch in Skandinavien und in den Niederlanden glaubte man, dass sich in der Nordsee eine Art europäisches Atlantis befand.

Solche Legenden wurden durch die Funde der Fischer bestärkt, nur konnte zu diesem Zeitpunkt niemand etwas mit den Funden anfangen. Vor allem niederländische Fischer brachten mit ihren Grundschleppnetzen, auch Baumkurren genannt, wiederholt Hörner und Knochen von ausgestorbenen Tieren wie Auerochsen und Wollnashörnern zutage. 1931 fanden Fischer 40 Kilometer von der Küste entfernt einen Brocken Torf, in dem sich eine verzierte Harpune aus Knochen befand. Das Alter der Harpune wurde auf 9000 bis 4000 v. Chr. geschätzt. Dann geriet das Doggerland lange Zeit in Vergessenheit.

In den 1980er konnte der niederländische Amateurpaläontologe Dick Mol die Fischer dazu überreden, ihm die Funde zu überlassen, anstatt sie ins Meer zu werfen. Außerdem sollten sie ihm die Koordinaten der Fundstellen geben. 1985 erhielt Dick Mol, auch als „Mister Mammut“ bekannt, von einem Kapitän einen hervorragend erhaltenen Kieferknochen eines Menschen. Anhand der Knochen und den abgenutzten Backenzähne konnte mittels Radiokarbonmethode ein Alter von 9500 Jahren festgestellt werden. Der Mensch stammte also aus der Mittelsteinzeit, dem Mesolithikum. Das Mesolithikum begann mit dem Ende der letzten Eiszeit vor 12000 Jahren und endete mit dem Beginn des Ackerbaus vor 6000 Jahren. Es war klar, dass sich zwischen Großbritannien und Nordwesteuropa einst eine Landmasse befunden haben musste.

Doggerland – Das Steinzeitparadies

Der Begriff „Doggerland“ geht auf die „Doggerbank“ zurück, eine gerade mal 13 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Sandbank in der Nordsee, gut 100 Kilometer von der britischen Ostküste entfernt. Der Professor für Prähistorie Bryony J. Coles prägte die Bezeichnung „Doggerland“ im Jahr 1998.

Doggerland war zurzeit des Mesolithikums eine Niederung voll von Leben. Vor rund 18000 Jahren lag der Meeresspiegel in Nordeuropa hundert Meter niedriger als heute. Großbritannien war nicht durch die Nordsee vom Festland getrennt, sondern zu Fuß erreichbar. Am Ende der Eiszeit, als die Eisschmelze einsetzte, wanderten Tiere wie Hirsche, Auerochsen und Mammuts in den Norden und Nordwesten. Sie siedelten sich aus den kontinentaleuropäischen Hochebenen in den vom Eis freigegebenen Niederungen an. Und wohin das Wild reiste, dahin folgten ihm die frühen Menschen. Das Gebiet von Doggerland dürfte etwa 30.000 Quadratkilometer betragen haben. Viele Forscher glauben, dass in der Doggerland der Schlüssel zum Verständnis des Menschen in der Mittelsteinzeit steckt. Tatsächlich wissen wir heute über die Mittelsteinzeit recht wenig, besonders was das Leben des Menschen anbelangt. Wahrscheinlich lebten hier sehr viele Menschen, die nicht nur die vielen Tiere jagten, sondern sich auch mit dem Fischfang beschäftigten.

Seitdem die Region stärker in den Fokus der Forschung gedrungen ist, wurden auch mehr menschliche Überreste gefunden. 2001 trat zum Beispiel der Knochen eines Neandertalers zutage. 2013 fanden Fischer schließlich einen menschlichen Schädelknochen, der anhand der Radiokarbonmethode auf eine Alter von 11050 Jahren geschätzt wird. Außerdem wurden bestimmte Isotopen im Knochen analysiert, um daraus Erkenntnisse über die Ernährung dieses Menschen zu gewinnen. Das Ergebnis: Die Eiweissquellen zumindest stammen hauptsächlich vom Land und nicht vom Meer. Zumindest für diese Person und kurz nach dem Ende der Eiszeit.

2007 untersuchte der britische Archäologe Vince Gaffney und sein Team die Nordsee mit Reflexionsseismik. Damit wird eine Karte der geologischen Beschaffenheit des Meeresgrundes durch künstlich erzeugte seismische Wellen erstellt. Diese Technologien wird normalerweise eingesetzt, um mögliche Öllagerstätten im Meeresboden zu finden. Das Team konnte dabei 1600 Kilometer Flussläufe kartieren, ebenso 24 Seen und ein Binnenmeer mit einer Fläche von 1700 Quadratkilometern. Das Ergebnis des Forschungsprojektes „Mapping Doggerland“ war ein Computermodell, welches eine Fläche von 23.000 Quadratkilometern nachbildet. Doggerland war vor allem flach und nass. Die Landschaft lässt sich am besten mit der der heutigen Niederlande vergleichen. Für die mittelsteinzeitlichen Jäger und Sammler bot dieses Land eine hervorragende Lebensgrundlage. Es gab genügend Herden an Wild, Fische und Vögel. Nach heutigem Erkenntnisstand war die Ernährung der damaligen Menschen sehr eintönig: hauptsächlich Fleisch und Fisch.

Auch Deutschland ist an der Erforschung von der untergegangenen Landmasse beteiligt. 2011 gab die deutschen Bundesregierung dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven den Auftrag zur systematischen archäologischen Erforschung der Nordsee. Der Grund dafür ist, dass zukünftige Bauvorhaben möglicherweise die archäologischen Überreste zerstören könnten.

Anstieg des Meeresspiegels und die Folgen

Auf Doggerland blühte das Steinzeitleben. Neben den bereits genannten Auerochsen, Mammuts und Hirschen lebten hier auch Bären, Elche und Wollnashörner. Biber bauten ihre Dämme in den sumpfigen Graswiesen. In den Tümpeln gab es auch viele Enten und Fische zum Jagen. Das Nahrungsangebot war reichlich und weswegen es niemanden verwundern dürfte, wenn es die mittelsteinzeitlichen Menschen ins Doggerland verschlug. Großbritannien war zu diesem Zeitpunkt wenig attraktiv und daher nur spärlich von Menschen besiedelt.

Mit der Zeit stieg der Meeresspiegel kontinuierlich. Etwa ein bis zwei Meter pro Jahrhundert. Die Menschen passten sich an die sich verändernde Umwelt an und zogen im Winter wahrscheinlich auf höher gelegenes Terrain. Aus den Binnenseen wurden offene Meeresbuchten. Das Land zog sich zurück und die Menschen sahen sich gezwungen, nach Kontinentaleuropa oder Großbritannien auszuweichen, als ihr Lebensraum zu schrumpfen begann. Einige der Doggerländer hatten sich in Folge in Großbritannien angesiedelt. Die Küsten der britischen Inseln waren wohl die ersten Siedlungsgebiete, wie etwa in Howick in Northumberland, wo Forscher die Überreste einer Wohnstätte fanden. Das Team um den Archäologen Clive Waddington datiert sie auf 7900 v. Chr.. Indizien weisen daraufhin, dass die Siedlung mehrmals aufgegeben und wieder bewohnt wurde. Laut Clive Waddington war das darauf zurückzuführen, dass bereits hier Ansässige ihre Heimat gegen die Migranten aus Doggerland verteidigen mussten.

Der Untergang von Doggerland

Das Ende von Doggerland kündigte sich stetig an, doch kam das Finale unerwartet plötzlich. Während über einen langen Zeitraum die Gletscher schmolzen, hob ihr Schmelzwasser beständig den Meeresspiegel an. Sümpfe und Täler wurden verschluckt und die auf Anhöhen errichteten Siedlungen drohten, von der Außenwelt abgeschnitten zu werden. Die gesamte Fläche wurde schließlich von einem plötzlichen Tsunami überrollt. Die Ursache dafür waren die Schlammmassen vor der Küste Norwegens. Diese waren den Hang hinunter gerollt und ins Meer gestürzt. Das hatte gewaltige Meereswallen zur Folge, die über die Niederungen von Doggerland hinwegfegten.

Wahrscheinlich war Doggerland vor 9000 Jahren bereits zu einer Insel verkommen, die Bewohner durch das Meer vom Festland und den britischen Inseln getrennt. Als etwa 800 Kilometer von Doggerland entfernt sich der Erdrutsch ereignete, verschwanden möglicherweise die letzten Überreste dieses Siedlungsgebietes. Ob der Tsunami die komplette Insel verschluckte, ist bis heute fraglich. Doch auch wenn nicht die gesamte Landmasse Doggerlands von den Wassermassen verschluckte wurde, war der Anstieg des Meeresspiegels damit nicht beendet. Der Erdrutsch ging als „Storegga-Ereignis“ in die Geschichte ein. Die zerstörerische Kraft des Tsunamis lässt sich in England noch etwa 40 Kilometer weit im Inland nachweisen. Gleichzeitig wurden 3000 Kubikkilometer Sediment über die Insel geschwemmt. Doggerland war vergessen, bis die Archäologie sich mit der Erforschung der Nordsee beschäftigte.

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