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Hexerei in Schottland

Hexerei in Schottland

Hexerei und Hexen-Verfolgung in Schottland

Im Norden Europas war der Volksglaube an Dämonen, Naturgeister und magische Kulte schon immer besonders verbreitet. Doch war dies der Grund dafür, dass Schottland im 16. und 17. Jahrhundert zu einem Zentrum der Hexen-Verfolgung wurde?

Ein Buch liefert spannende Details zu Hexerei in Schottland

Das schottische Hexenbuch „Names of Witches“ (Die Namen der Hexen) aus dem Jahr 1658 gilt als eines der wenigen schriftlichen Zeit-Dokumente. Tiefschwarz eingebunden und mit schaurigen Kreuzen versehen, dokumentierte es Fälle von Zauber und Hexerei. Es enthält die Namen der verdächtigten und häufig auch verurteilten und hingerichteten Menschen sowie Notizen zu deren Vergehen.

Obwohl Schottland zur damaligen Zeit nur dünn besiedelt und nicht sonderlich christlich war, konnte sich der Hexen-Wahn hoch im Norden rasant ausbreiten. Heute vermutet man, dass während der Spitzenzeiten der Hexenverfolgung etwa drei Millionen Menschen europaweit angeklagt wurden. Von den Beschuldigten endeten 40.000 bis 60.000 auf den Scheiterhaufen. Vergleicht man die Zahl von 3.000 bis 5.000 Prozessen alleine Schottland, zeigt dies eine signifikante Häufung.

Warum sich im hohen Norden der Wahn um schadhafte Hexenkulte so extrem durchsetzen konnte, ist bis heute unklar. Der traditionelle Glauben (Heidentum), Naturverehrung und Kräutermedizin spielten in den abgelegenen Regionen Schottlands im 16. und 17. Jahrhundert immer noch eine große Rolle. Für einen Großteil der Bevölkerung war kaum eine andere medizinische Versorgung zugänglich und das Leben mit den Gezeiten der Natur ein normaler Rhythmus.

Vermutlich spielten politische Hintergründe, Clan-Feindschaften, Territorial-Streitigkeiten, Armut und Unzufriedenheit oder schlicht Pannen in den Heilkünsten der Volksmediziner mindestens genauso oft eine Rolle wie christlich geprägter Hexen-Aberglaube. Überliefert sind Prozesse gegen junge Frauen, die angaben, mit Hasen sprechen zu können oder in „deren Welt eingetaucht“ zu sein. Andere kannten sich mit Heilkräutern aus, ohne jemals eine Ausbildung genossen zu haben. Durch dieses Wissen aus dem Nichts und besondere Fähigkeiten wurden die natursichtigen Frauen und Männer für Mitmenschen nur zu oft unheimlich.

Uralte Heilkunst, Seherinnen und Naturmedizin

Den Kelten waren ihre Heiler, Seher und weisen Frauen noch heilig. Doch irgendwann gerieten die alten Künste der Druiden und Zauberer in Vergessenheit. Im Mittelalter praktizierten nur noch einzelne Menschen alte Riten und Traditionen.

Das schottische Hexenbuch ist ein besonderes Zeugnis dafür, dass fast ausschließlich naturheilkundlich orientierte Frauen, einige wenige Männer oder Außenseiter der Gesellschaft angeklagt wurden.

Medizinleute waren gebrauchte, aber nur allzu oft auch verhasste Menschen. Es liegt auf der Hand, dass die Heilerinnen, Hebammen und Weissager den Menschen nicht immer die Hilfe bieten konnten, die sie suchten. Nicht selten endete ein misslungener Heilungsversuch, der Tod von Neugeborenen oder von Tier-Beständen mit einem Hexenprozess. Irgendjemand musste für erlittene Verluste büßen.

Besonders schauderhaft erscheinen kurze Eintragungen wie „umquhile“, was in der schottisch-gälischen Sprache etwa so viel wie „aus dem Leben gegangen“ bedeutet. James Lerile of Alloway in Ayr wird gar als „clenged“, zu deutsch „gereinigt“, bezeichnet. Sehr wahrscheinlich ist diese Säuberung gleichzusetzen mit der Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen.

Der Glaube an das Böse, Hexen-Künste und Satanismus reifte im Mittelalter enorm heran. Den Menschen ging es schlecht. Bildung, Künste und höhere Geisteswissenschaften waren auf einem Tiefpunkt angeklagt. Über Jahrhunderte hinweg wütete die Pest und die Menschen suchten eine Erklärung für all das Leid. Unter der gemeinen Landbevölkerung herrschten Druck und Armut, ausgelöst durch die Kirche und die herrschenden Schichten. Wissen und Weisheit waren Mangelware und die Neigung zum Aberglaube umso größer.

Die Ursachen für Hexen-Verfolgung und Aberglaube

Sicher hat es zu allen Zeiten auch Scharlatane gegeben, die sich die Angst der Menschen zunutze machten und allerlei sonderbare Medizin teuer verkauften. Eine Ursache für die Verfolgung von Millionen von Menschen bietet dies jedoch kaum.

Kulturhistoriker sehen die düsteren Schriften des italienischen Klerikers Thomas von Aquin als den Startpunkt für flächendeckende Dämonisierungen und Verteufelungen. In seinen im 13. Jahrhundert verfassten Schriften proklamierte er die Unterwanderung der Gesellschaft durch Dämonen und schwarze Magie. Er stigmatisierte die Sexualität, verpönte die Lust und erklärte die wilde Natur zu einem menschenfeindlichen Übel.

Seine bizarren Ideen breiteten sich die folgenden Jahrzehnte bis Jahrhunderte schließlich in ganz Europa aus. Kirchenoberhäupter und weltliche Regenten machten sich die neuen Erklärungsansätze schnell zunutze. Aufgrund von Anschuldigungen wegen vermeintlichem Satanismus wurden Andersgläubige, unliebsame Völker und Minderheiten wie die südfranzösischen Katharer einfach ausgerottet.

Doch längst nicht alle beteiligten sich am Hexen-Wahn des Mittelalters. Viele weltliche Machthaber und sogar Kirchen-Obrigkeiten haben die Hexen-Verfolgung nicht unterstützt. In der armen Landbevölkerung und unter Kirchenmännern der niederen Ränge breiteten sich die Ideen umso schneller aus. Vielerorts hielten selbsternannte Hexen-Jäger spontane Gerichte ab, indem sie die frustrierte und aufgebrachte Bevölkerung anstachelten.

Viele Frauen mussten aufgrund von Wahnvorstellungen, missbilligenden Denunziationen oder dem fanatischen Treiben einzelner sterben. Mit Hexenkunst hatten unliebsame Nebenbuhlerinnen, außerordentlich begabte oder nur ungewöhnlich aussehende Frauen oftmals überhaupt nichts zu tun.

Der „Scottish Witchcraft Act“

Bereits 1542 hatte der für seine acht Ehefrauen bekannte englische König Henry VIII auf Anraten der anglikanischen Kirche einen ersten „Witchcraft Act“ (Hexen-Gesetz) erlassen.

Im Jahr 1563 verschärfte die neue Regentin Elisabeth I das Gesetz und stellte die Ausübung von Hexenkräften sowie die Konsultation einer Hexe oder eines Hexenmeisters unter Todesstrafe. Das schottische Parlament übernahm die englische Vorlage noch im selben Jahr als den „Scottish Witchcraft Act“.

Wer angeklagt wurde, musste vor der Verurteilung ein Geständnis abliefern. Dieser Umstand war Bestandteil fast aller weltweiten Hexen-Dekrete. Um diese Geständnisse zu bekommen, wurden Frauen und Männer oft tagelang gefoltert. Obwohl grausame Foltermethoden wie Daumenschrauben, Streckbank oder Nadeln zum Aufstechen von Hexen-Malen überliefert sind, geschah die Geständnis-Erpressung meistens ganz einfach durch Schlafentzug. Nach drei Tagen beginnen Menschen zu halluzinieren und verlieren jeglichen Bezug zur Realität.

Hingerichtet wurden die Opfer auf Scheiterhaufen. In Schottland wurden die meisten Hingerichteten vor dem Verbrennen bereits erwürgt.

Eine moderne Abwandlung des „Witchcraft Acts“, das Hellseherei und Mediumismus unter Strafe stellte, war im Vereinigten Königreich bis 1951 in Kraft.

Zum „Wohle der Hexen“ – Versöhnung in Schottland

In der heutigen Hauptstadt Edinburgh fanden rund 30 Prozent der schottischen Hexenprozesse statt. Hier wurde bereits im 19. Jahrhundert eines der ersten versöhnlichen Denkmäler weltweit errichtet.

„Witches Well“ (frei übersetzt: zum Wohle der Hexen) ist ein hübscher kleiner Brunnen, den Interessierte an der Westwand der „Tartan Weaving Mill“ gleich neben dem Eingang zum Edinburgh Castle finden.

In Auftrag gegeben hatte es der schottische Freidenker und Philanthrop Sir Patrick Geddes im Jahr 1894. Sein Freund, der Künstler John Duncan, gestaltete das Becken mit keltischen Ornamenten, einem Frauenkopf und zahlreichen interessanten Symbolen.

Das schottische Hexenbuch ist Teil der Wellcome Sammlung und wird in der dazugehörigen Bibliothek in London aufbewahrt. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann hier einen Blick auf die Originalschriften des 350-seitigen Werkes werfen.

Weitere Quellen
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/schottisches-hexenbuch-online20161104/
https://en.wikipedia.org/wiki/Witchcraft_Acts

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